Da sind diese Momente des vollkommenen Hochs, nachts, den Blick aufs Meer, Meile für Meile geht es weiter durch die Nacht und doch spielt das Vorankommen nur bedingt eine Rolle im Moment. Einfach Gegenwart und Jetzt. Der Moment als solcher ist nie von Dauer.
Wenige Tage später, mit Jan, der zu Besuch ist, auf dem IJsselmeer gen Süden. Die Segel sind im ersten Reff. Es geht gegen den Wind. Nur von den Wenden unterbrochen sind wir wie schon gestern im Gespräch vertieft. Familie, seine Kinder, Arbeit, das Leben. Es ist gut, ihn zu sehen. Gut, mit ihm hier unterwegs zu sein.
Bei dem Routineblick einmal rundum sehe ich, dass die Steuerbord-Unterwant plötzlich nicht genug Spannung hat. Der eine Blick reicht und ich weiß, dass etwas nicht in Ordnung ist. Der Blick ist schon auf der Suche, einmal durchs Rigg, einmal durch die Umgebung, ob andere Schiffe, Tonnen im Weg sind. Im Kopf habe ich, dass wir kein Flach direkt um uns herum haben. Da, das Babystag, das normalerweise von der Mitte des Masts nach vorne aufs Deck gespannt ist und dem Mast seine leichte Biegung nach vorne gibt, das Babystag liegt auf dem Deck. Das alles passiert in einer, vielleicht zwei Sekunden. Die Pinne rum, abfallen, das Vorsegel einholen, kurz nochmal zurück an den Wind und das Großsegel bergen. Nochmal eine, zwei Minuten. Wieder einmal: In Gegenwart und Jetzt. Nur im Moment. Aber anders. – It’s always a bit stressful.
Wir fahren unter Motor entspannt mit dem Wind zurück nach Makkum. Haben einen Ausflug nach Harlingen gemacht, Frietjes gegessen, einkaufen gegangen. Zurück auf Koraki ein Jan-Christian-Risotto gekocht. Und: Geredet. Das Gespräch geht uns nicht aus. Heute Morgen ein Strandspaziergang, dann ist Jan zurück nach Köln. Ich bin vorhin nochmal in den Mast. Und morgen am Montag hoffe ich, dass ich mit dem Rigger hier vor Ort eine gute Lösung finde, damit es dann weitergehen kann.

It’s always a bit stressful. Der Satz, den ich von vielen einhand (alleine) Segelnden gehört habe. Das Gefühl, das die meisten einhand Segelnden kennen. Und irgendwie tun wir es trotzdem. Oder gerade deswegen? Etwas Unvorhergesehenes lauert immer. Roll with the punches. Den Moment nehmen, wie er ist. So auch jetzt. Im Wind und der Sonne am Strand von Makkum.