12. Juni 2026

Looks All Fine

Ein gebrochener Toggle, Zweifel am eigenen Urteil und eine willkommene Pause.

3 Min. Lesezeit Enkhuizen 052°42′N · 005°18′E
Blick von der Marina Enkhuizen aufs IJsselmeer.
Blick von der Marina Enkhuizen aufs IJsselmeer.

Am Sonntag ist Jan zurück nach Köln. Heute ist Freitag. Von Makkum nach Enkhuizen sind es gemütliche 22 Meilen über das IJsselmeer. Eigentlich bei passendem Wind gemütliches Segeln für vier, fünf Stunden. Die Geschichte dahinter kann auch anders sein. Der gebrochene Toggle, der das Babystag mit dem Mastbeschlag verbindet, ist die Herausforderung, für die ich eine Lösung brauche. Ich brauche einen Rigger, um mir den Toggle zu ersetzen und vor allem, um das Rigg zu inspizieren. Mein Vertrauen in das Rigg, vor allem aber mein Vertrauen in mein eigenes Urteil, als ich das Rigg in Brodersby selbst inspiziert habe, ist geschwunden.

Am Montag in der Früh ist das Erste, ein Babystag zu jury-riggen. Mit zwei Schäkeln – einer an der Befestigung an Deck und einer an der Mastbefestigung – sollte es möglich sein, eine Leine als Babystag zu setzen. Umgelenkt zu einer Winsch, kann ich sie durchsetzen und dem Mast die notwendige Stabilität geben.

Dann rufe ich die Liste an Riggern durch, die mir hier in der Gegend empfohlen wurden. M. de Groot in Stavoren – nicht weit von hier – könnte mir den Toggle heute ersetzen, wenn ich spätestens gegen 16:00 da bin. Also los. Ablegen, nach Stavoren. Dort wieder mal durch eine Schleuse und in den Hafen. Um 15:00 stehe ich im Hafenbüro, leihe mir ein Fahrrad. Um 15:20 bin ich mit dem Babystag bei M. de Groot, treffe Auke, mit dem ich zuvor telefoniert habe. Eine freundliche Begegnung. Ich folge ihm in ihren „Workshop“, eine beeindruckende Werkshalle. Um 15:45 stehe ich mit ersetztem Toggle wieder am Fahrrad. So weit super. Nur, für ne Rigg-Inspektion haben sie erst in eineinhalb Wochen wieder einen Termin. Als ich wieder am Boot bin, mischen sich Freude über den schnellen Ersatz mit allgemeinem Zweifel. Eineinhalb Wochen warten, dann die Inspektion. Was, wenn ich ein neues Rigg brauche? Das dauert sicher nochmal zwei, drei Wochen. Ich muss umplanen. Mit England das wird nix. Warum muss es eigentlich England sein? Warum nicht einfach an nen schönen Ort und mal zwei Wochen die Beine hochlegen, lesen, laufen, schwimmen, nichts tun? Seit Wochen bin ich im Projektmodus. Eins folgt dem anderen. Alles zu viel? Will ich nicht einfach mal Ruhe? Jedenfalls gehe ich erstmal schwimmen im Hallenbad. Ich habe es für mich alleine. Den Kopf unter Wasser, der Körper gestreckt durchs Wasser gleitend. Tief Luft holen. Schwimmen hat mir lange nicht mehr so gut getan. Der einzige Entschluss heute Abend: Alles um einen Tag verschieben. Morgen einfach mal nichts tun.

Am Dienstag passiert dann auch nicht viel, außer dass ich fast den ganzen Tag einfach nur in Sven Beckerts großartigem Capitalism: A Global History lese.

Auf dem IJsselmeer unterwegs nach Enkhuizen.
Auf dem IJsselmeer unterwegs nach Enkhuizen.

Am Mittwoch ergibt es sich, dass Tuned Riggs & Ropes in Enkhuizen nachmittags Zeit für einen Rigg-Check hat. Der Wind bläst ganz gut. Ablegen, am Wartesteg der Schleuse anlegen, ablegen, in der Schleuse anlegen, ablegen, nach Enkhuizen, am Wartesteg der Schleuse anlegen, ablegen, in der Schleuse anlegen, ablegen, bei Tuned Riggs & Ropes anlegen. Auch wenn es nur 12 Meilen sind, fühlt es sich nach nem langen Tag an, als ich um 13:00 beim Rigger angekommen bin. Gegen 15:00 können sie den Rigg-Check machen. Ergebnis: „Looks all fine“. Die Freude darüber, dass es so ist, ist groß. Größer noch ist die Erleichterung darüber, dass mein eigenes Urteil im Mai beim Rigg-Check nicht verkehrt war.

Nach nem längeren Ratsch mit Vester, dem Rigger, geht es dann nochmal zurück durch die Schleuse in die Marina von Enkhuizen. Die nächsten Tage werde ich hier sein. Mäßiges Wetter vor allem mit zu viel Wind für mich, um das alleine zu segeln. Way out of my comfort zone. Da ist sie, die Pause, das Nichtstun, lesen, laufen, kochen, schlafen. Und auch noch in der wunderschönen kleinen Stadt Enkhuizen. Die Klarheit, wie und wo es dann genau weitergeht, die wird sich in den nächsten Tagen von alleine finden.

Starkwind. Für mich alleine zu viel, für ne Regatta genau richtig.
Starkwind. Für mich alleine zu viel, für ne Regatta genau richtig.
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