Ein wunderbarer Tag. Morgens mit der Tide aus Borkum hinaus. Wir sind vier Boote, fast eine kleine Flottille. Aber einen Schritt zurück, wie es dazu kommt.
Gefügt hat es sich tags zuvor, in Borkum. Außer Markus auf TeKielA, den ich seit Brunsbüttel kenne, sind da Stefan und seine Frau auf der Pas de deux, einem Schiff ganz aus Holz. Zwei Rheinländer, die ihr Boot an der Elbe liegen haben. Bei einem Bier in ihrem Cockpit erzählen sie mir von zwei langen Fahrten: 1992 und 2012, jeweils zweieinhalb Jahre in der Karibik mit Pas de deux. Dazu die Carpe Diem, Freunde der beiden. Vier Boote mit demselben Ziel: Lauwersoog. Und von dort über die kleinen Binnenkanäle Frieslands, auf einer Variante der Staande Mastroute, bis nach Harlingen. Gleiches Ziel, gleiche Tide – also brechen wir am Morgen gemeinsam auf.
Es ist wunderschönes Segeln. Raumer Wind, ruhige See. Und doch zeigt die Waddenzee gleich außerhalb des Fahrwassers vor Borkum ihre Tücken. Nicht nur, dass die angegebenen Tiefen auf meinen zwei Karten deutlich voneinander abweichen – beide passen überhaupt nicht zur Anzeige meines Tiefenmessers. Das mahnt zur Vorsicht. Und dann, später, am Seegat vor Lauwersoog wieder: Auf den ersten Blick sieht das Auge weit und breit nur Wasser. Auf den zweiten Blick sind zwischen den Schlangenlinien des schmalen Fahrwassers brechende Wellen zu erkennen. Brechende Wellen auf weiter, ruhiger Fläche – ein Hinweis auf die steil ansteigenden Untiefen. Ich kann nur versuchen, mir vorzustellen, wie fordernd, ja gefährlich das hier bei starkem Wind sein muss.

Bei Lauwersoog wartet eine Schleuse. Wir schleusen gemeinsam, fahren in einen kleinen Hafen. Ein gemütlicher Abend. Morgen geht es weiter Richtung Harlingen.