Tagsüber habe ich mich zweimal eingecremt. Jetzt senkt sich die Sonne gen Horizont. Seit heute Mittag unterwegs von Cuxhaven nach Borkum. Gegen zwölf Uhr mittags sind wir mit dem einsetzenden ablaufenden Strom aus Cuxhaven, an den Elbsänden vorbei raus auf die Nordsee. Wir, das sind Markus auf dem Boot TeKielA und ich auf Koraki und wir haben vorläufig das gleiche Ziel. Gen Westen. Wir sind in Sichtweite und funken gelegentlich auf Kanal 72 miteinander. Beispielsweise, wenn einer von uns unter Deck geht, um sich etwas zu kochen. Es ist deutlich entspannter, wenn man kochen kann und dabei nicht ständig Ausschau halten muss. Es ist ein schöner Schlag. Anfangs die Elbe raus mit dem Strom, aber gegen den Wind unter Motor, dann friedliches Segeln in die Nacht hinein. Nach und nach verschwinden die Konturen des Landes. Die Nacht, der Mond, die See. Am Horizont nur Lichter von Leuchttürmen, Tonnen und anderen Booten. Ich liebe es, nachts auf See zu sein. Vor allem, wenn es so friedlich ist wie heute. Kurz nach Mitternacht meldet sich das Funkgerät. Ein Kabelleger vor Baltrum (ein Monstrum von einem Schiff, das über 200 Meter lang ist) bittet mich mit deutlichem Abstand nördlich an ihm vorbeizugehen. Nachdem wir uns gegenseitig noch eine gute Wache wünschen, wird es wieder ruhig und es bleibt eine ereignislose Nacht auf See. Der Mond ist fast voll, Musik höre ich heute, in Gedanken verloren, besonders gerne und als sich um fünf die Sonne zum ersten Mal am Horizont zeigt, dreht der Wind weiter auf Süden und nimmt wie prognostiziert etwas zu.
Als wir im Hafen von Borkum ankommen, fällt das übermüdete Gemüt kurzzeitig in ein Tief. Es gibt in Borkum nur den ehemaligen Marinehafen, der vorwiegend von Lotsen und den Arbeitsschiffen der Offshore-Windfarmen genutzt wird. Nur eine Stegseite ist für private Boote zugelassen, und diese ist in Dreierpäckchen völlig belegt. Müde, morgens um halb sieben, der kommende Regenschauer am Horizont und kein Platz zum Anlegen ... wir sind gerade ohne Plan. Weitersegeln ist keine Option. Wir machen kurzerhand an einem vergebenen Steg fest, als ein Tall-Ship ablegt und Platz am Steg hinterlässt. Es hat sich mal wieder gefügt. Anlegen. Klar Schiff machen. Und ab ins Bett. Tiefer, erholsamer Schlaf.
Jetzt, nachmittags am Strand von Borkum bei einer Tasse Kaffee. Richtig guter Fortschritt bisher. So kann es gerne weitergehen. Morgen kommt der Wind aus Westen. Danach soll er wieder drehen und wir könnten weiter.