Schlei, Kiel, Brunsbüttel, Cuxhaven. Drei Tage, in denen es jetzt wirklich losging. Das Segeln nach Kiel war ein ruhiges Segeln auf raumen Kursen (der Wind von seitlich hinten). Zu zweit entspannt unterwegs. Mal steuert Kathrin, mal ich. Als dann aber auch noch die neu montierte Windsteueranlage auf Anhieb besser Kurs hält als die alte jemals zuvor, ist die Arbeit der letzten Wochen schon entlohnt. Im Rückblick der Moment, in dem es für mich wirklich losging. In Kiel finden wir einen Platz in Stickenhörn. Eine Marina ohne Glanz mit ehrlichen Schiffen. Ein letzter gemeinsamer Abend. In der Früh um neun verlässt Kathrin das Boot und macht sich auf den Weg zum Kieler Bahnhof. Ich lege ab und mache mich auf den Weg zur Schleuse des Kiel-Kanals.

Die Kanalfahrt – was soll man groß sagen. Etwa 10 Stunden monotones Motoren. Anfangs wirkt es wie die Fahrt durch einen Park. Wälder links und rechts mit Vogelkonzert. (Am meisten sind mir die unzähligen Zilpzalpe in Erinnerung.) Bis dann das erste Containerschiff entgegenkommt. Man weiß es, hat es auf Bildern gesehen, wenn dann aber im schmalen Kanal die haushohen Schiffe keine 30 Meter entfernt an einem vorbeifahren, ist es natürlich aufregender als auf einem Bild. Beim zehnten ist die Aufregung auch schon wieder vorbei. Abends komme ich in Brunsbüttel an, mache im kleinen Hafen auf der Innenseite der Schleuse fest und will am nächsten Tag gegen elf los, durch die Schleuse raus auf die Elbe Richtung Cuxhaven.
Am Abend komme ich noch mit Christian und Kirstin, einem Ehepaar aus Dänemark mit einer traumhaften Koopmans aus Aluminium (Punya) ins Gespräch. Das übliche Wohin mündet in die Frage, wann ich loswill, ob ich den Elbstrom kenne ... für mich ist es auch das erste Mal. Er meint, er will mir folgen. Etwas später treffe ich Markus auf TeKielA. Auch alleine unterwegs. Er hat letzten Herbst eine Abfindung bei der VW-Tochter Cariad angenommen und will im Laufe des Jahres ins Mittelmeer. Das Gespräch mündet in die Frage nach dem Strom und auch er meint, er wolle sich um elf anschließen.
Nächster Morgen. Kaffee, Frühstück, ablegen, zur Schleuse, in der Schleuse festmachen ... als sich die Schleuse Richtung Elbe öffnet, als ich die ersten Minuten auf dem breiten Elbstrom unterwegs bin, ist meine Erinnerung direkt auf Southampton Water. Ich war noch nie hier, aber es fühlt sich vertraut, fühlt sich gut an. Ozeanriesen, Schlepper, Lotsen, der Funkverkehr auf Englisch, internationaler. Heute ist es nochmal Motoren. Der Wind ist gegenan, der Strom mit uns. Das macht eine unangenehme Welle, ist mit dem Wind aber noch gut vertretbar.
Nach ein paar Stunden Motoren kommen wir etwas versetzt in Cuxhaven an. Interessanter Hafen. Hier sind andere Segler als man sie im Durchschnitt in der Ostsee sieht. Alle sind auf Transit. Niederländer, Franzosen und Briten die in die Ostsee und Deutsche, Dänen, Schweden, Polen, die in die Nordsee wollen. Der erste Hafen seit langem für mich mit Schwimmstegen. Auch das von den Erinnerungen aus England, Frankreich, den Kanalinseln vertraut. Die Stege heben und senken sich mit der Tide, samt den vertäuten Booten. Etwa zwei Meter beträgt sie hier.
Abends koche ich mit Markus am Boot. Wir plaudern über unsere Wege zum Segeln, über das Einhandsegeln. Und über die Pläne, Wünsche, die wir für den Sommer so haben.
Am nächsten Tag bläst der Wind wie prognostiziert sehr kräftig von Westen. Ungeeignet, um weiterzukommen. Christian, der Däne, fragt mich, ob ich mich mit Elektrik auskenne, ob ich ihm eventuell helfen könnte. Er ist sich nicht sicher, ob er so weiter kann. Die Details sind zu langwierig. Bei einer Tasse Kaffee, Rumkriechen in Backskisten und kurzem Durchmessen stellt sich heraus, dass ihm ein Elektriker vor einer Woche einen sog. Shunt verkehrt herum angeschlossen hat. Entwarnung. Ist weiter nicht schlimm. Nur die Anzeige zu seiner Batterie hat vertauschte Vorzeichen: Wenn er lädt, zeigt sie entladen an und umgekehrt.
Am Abend laden mich Jacqueline, Henrik und Jasper, Bootsnachbarn aus den Niederlanden, zu einem Aperitif und später zum Essen auf ihrem Boot Shãlom ein. Sie sind Christen. Zum Essen gibt es ein Gebet. Zum Abschied geben sie mir Psalm 121 mit. Ein sehr schöner, bewegender Abend. Zwischendrin schaut Christian vorbei, bedankt sich für die Hilfe und drückt mir eine Flasche Châteauneuf-du-Pape in die Hand.
Sprachlos.
Cuxhaven also.