Schöner Wind aus Osten. Die falsche Richtung, um Strecke gen Osten zu machen. Ausschlafen, frühstücken und gegen elf bei passender Tide Leinen los, Segel noch im Hafen setzen und aus dem Hafen segeln. Ohne Ziel, rund um die Tonnen vor Borkum, immer wieder der Berufsschifffahrt und den Fischern ausweichend, dann ein Reff, Halse, trimmen, Wende, Halse, selber an der Pinne, einfach: Segeln.
Ich weiß nicht, ob ich heute auch rausgegangen wäre, wenn Martin nicht mit an Bord wäre. Martin, mit dem ich in den vergangenen Jahren oft in den Bergen unterwegs war und mit dem ich zuletzt für acht Tage auf der Haute-Route im April unterwegs war, kam am Montagabend nach Vlieland. Nach einem ruhigen Tag mit Rädern und auf dem Strand der Insel sind wir gestern von Vlieland mangels Wind unter Motor nach Borkum gefahren. Der Kontrast von den Niederlanden zu Deutschland, von Vlieland zu Borkum war hart. Ich will nicht über Borkum ätzen. Ich glaube, es reicht, einfach nochmal festzuhalten, dass Vlieland einfach ein guter Ort ist.
Jedenfalls hatte ich in mir das dringende Bedürfnis nach dem drögen Tag Motoren gestern, mit Martin segeln zu gehen; den Wind, die Welle, die Bewegung im Boot zu spüren. Antrieb war bei mir, Martin Koraki segelnd zu zeigen. Während wir am Segeln auf der Nordsee waren, ist mir dann aber nochmal bewusst geworden, dass diese Zwanglosigkeit, diese Ungebundenheit an Zeit und Ziel, dass einfach das Spielerische gerne mal zu kurz kommt, wenn ich den Zielhafen, die geplante Ankunftszeit schon vor Augen habe. Letztlich: Wenn der Plan der Gegenwart ihr Potential zum Spaß nimmt. Mal sehen, ob ich morgen genau diesen Spaß für unseren geplanten Schlag von Borkum nach Brunsbüttel stärker mitnehmen kann.