Die letzten Tage ging es ungebremst weiter. Kranen, checken, ob kein Wasser eintritt. (Unwahrscheinlich, aber jetzt, wo das Boot gleich wieder aus dem Wasser gehoben werden könnte, ist einfach der richtige Moment dafür.) Dann den Mast stellen. Auch wenn ich das nicht zum ersten Mal mache: Dieses 16 Meter lange und etwa 200 kg schwere Ungetüm mit dem Kran nach oben zu hieven, zu stellen, mit den Wanten zu verspannen, damit er nicht umfällt … auch wenn der Experte Matthias ist, der Hafenmeister, und ich eigentlich nur mache, was er sagt, ist es jedes Mal wieder mit Anspannung verbunden. Danach den Kranplatz frei machen, in einer Box anlegen – dann geht es weiter mit dem Trimmen des Masts.

Dienstag ist es. Mittwoch hole ich die neue 60-Meter-Ankerkette in Kiel ab. Unterwegs geht es zum Wertstoffhof in Eckernförde, um den ganzen Müll des Bootsbaus zu entsorgen (es waren dann doch drei große Abfallsäcke mit verbrauchten Malerrollen, Einmalhandschuhen, Epoxy-Resten, etc.). Bei SVB in Kiel steht sie fein säuberlich auf einer Einmalpalette. Wie bekommt man die Palette mit etwas mehr als 100 Kilogramm in das kleine Auto? Ich stehe vor der Palette. Ein Verkäufer steht vor der Palette. Wir gucken beide fragend. Eine junge Verkäuferin kommt und meint, sie könne gerne die Ameise holen und das zu meinem Auto bringen. Der Verkäufer nickt. Ich danke ihr. Sie verschwindet im Lager. Und ich warte. Und warte. 15 Minuten später warte ich immer noch. Dann kommt sie. Wenn der Fortschritt nicht so langsam wäre, müsste man es halsbrecherisch nennen. Kaum ein Regal, an dem sie nicht knapp vor Kollision halt macht. Rückwärts rangiert, Richtung korrigiert und weiterschiebt, bis zur nächsten Beinahekollision. Ich habe eine solche Ameise noch nie bedient. Zu Schulzeiten im Supermarkt sah es immer genauso aus wie bei ihr, wenn wir die Hubwägen über lange Wege schieben wollten, statt zu ziehen. Sie schiebt. Lächelt dabei. Rangiert wieder rückwärts und … ich bin mir nicht sicher, ob es nur eine gefühlte Ewigkeit war, irgendwann waren die beiden Arme der Ameise unter der Palette. Sie habe das noch nie gemacht. Aber das sei eine nette Abwechslung. Und die Ameise wollte sie immer schonmal bedienen. Wir haben jedenfalls ne Menge gelacht und irgendwann war die Palette mit den 60 Metern Ankerkette im Kofferraum meines Autos platziert. Danke nochmals an dieser Stelle für die Hilfe.

Von Kiel geht es nach Schleswig, die Rettungsinsel von der Wartung abholen. Nicht ohne einen längeren Schnack mit dem Herrn, der sie gewartet hat, früher Marineflieger war und England liebt. Nach England, sagt er, wollte er auch gerne mal wieder segeln. Dann zurück nach Brodersby und endlich an die Arbeit an der Elektrik. Es geht voran, aber ich merke die letzten Wochen. Wenig Pausen, wenig Erholung. Langsam komme ich einfach an meine Grenze. Das Beste aber: Am Dienstagabend schlafe ich zum ersten Mal wieder auf dem Boot. Keine Pendelei mit dem Auto mehr in der Früh. Zum ersten Mal wieder auf dem Boot im Wasser. Der beste Schlaf seit Wochen im leichten Wogen des Boots. Ich entspanne. Zumindest abends, wenn ich auf dem Boot bin und koche, danach einfach nur denke, lese und mich auf die kommenden Wochen und Monate freue.