05. Mai 2026

Kurzpraktikum im Bootsbau

Koraki fertig für die Tour zu machen. – Lange Arbeitstage in Brodersby.

2 Min. Lesezeit Brodersby 054°31′N · 009°43′E
Der tägliche Blick. Koraki in der Werft an Land. Die letzten Tage mit Sonne. Heute bewölkt. Was gut ist, weil dann das Epoxy nicht so schnell aushärtet.
Der tägliche Blick. Koraki in der Werft an Land. Die letzten Tage mit Sonne. Heute bewölkt. Was gut ist, weil dann das Epoxy nicht so schnell aushärtet.

Es fühlt sich an wie ein anderer Arbeitsalltag. Morgens um kurz vor acht los an der Unterkunft, mit dem Auto meist kurz am Baumarkt vorbei und dann nach Brodersby zum Boot. Dort eine Tasse Kaffee, nochmal den Plan für den Tag durchgehen. Dann geht es los und abends gegen acht räume ich die Werkzeuge auf, verschließe das Boot und mache mich wieder auf den Weg zurück zur Unterkunft in Schleswig. So geht das gerade Tag für Tag.

Die Baustellen klingen unaufgeregt:

Im Detail wird es dann aber trickreich. Am Beispiel des Seewasserdurchlasses:

  1. Das alte Seeventil und den einlaminierten Durchlass aus Bronze mit dem Multitool von innen abtrennen. Das Ganze ist nur durch die Backskiste zugänglich.
  2. Mit der Lochsäge von außen das verbleibende Stück Bronzerohr heraussägen.
  3. Das Loch im Rumpf schleifen und mit Aceton entstauben, entfetten.
  4. Glasfasermatten in kleine Streifen zuschneiden, Epoxy anrühren und das Loch so weit laminieren, dass der Durchmesser wieder zum neuen Durchlass passt.
  5. Nach dem Laminieren zum nächsten Tag warten, bis das Epoxy ausgehärtet ist; schleifen zum passenden Durchmesser.
  6. Das Seeventil und den Durchlass probemontieren, das neue Rohr auf die passende Länge kürzen.
  7. In der Backskiste das neue Laminat zweimal grundieren; jeweils 8 Stunden warten und dann kann lackiert werden.
  8. Wenn auch der Lack getrocknet ist, kann das Loch von außen mit Sika-Aktivator gereinigt und dann der neue Durchlass mit Sika eingesetzt werden: Von außen einführen, von innen (der Backskiste) die Mutter ansetzen und nur handfest zuziehen, um nicht das Sika komplett herauszudrücken.
  9. Nach 24 Stunden kann die Mutter voll angezogen werden. Dann kann auch wieder mit Sika das neue Seeventil auf den neuen Durchlass geschraubt werden.

Es fühlt sich an wie ein kleines Praktikum im Bootsbau. Ständig hat man entweder mit Staub zu tun, vor dem man sich mit Maske schützen möchte, oder aber mit Substanzen wie Aceton, Epoxy, Sika, Primer, Lack, die Handschuhe und teilweise Maske notwendig machen. Die Baustellen sind so miteinander verzahnt, dass man eigentlich immer an allem gleichzeitig arbeitet. Während hier das Epoxy trocknet, kann man dort einen Schritt weiter gehen. Gefühlt wird so nie etwas fertig. Und das fordert. Es geht voran, aber die Liste vor mir ist noch lange. Mit Matthias, dem Hafenmeister hier in Brodersby, habe ich einen Termin zum Kranen für nächsten Dienstag ausgemacht. Mal sehen, ob das klappt.

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