21. Mai 2026

Komm mal runter

Kathrin kommt zu Besuch. Gemeinsam ist es einfacher.

2 Min. Lesezeit Brodersby 054°31′N · 009°43′E

Am Samstag habe ich Kathrin mit dem Auto in Kiel am Bahnhof abgeholt. Ursprünglich war der Plan, dass wir gemeinsam aufbrechen: Nach Kiel segeln, durch den Kiel-Kanal fahren, dann gemeinsam auf die Nordsee und sehen, wie weit wir mit dem Wetter kommen. Schon vor Tagen hatte ich ihr gesagt, dass sich das zeitlich leider nicht ausgehen würde. Die Arbeiten am Boot brauchen länger; wir kommen frühestens am Mittwoch los. (Es wurde Freitag.)

Sie kam trotzdem. Und ich bin ihr dankbar, dass sie gekommen ist, obwohl hier vor allem Arbeit am Boot auf sie wartete.

Zum einen hat sie mich aus meinem Tunnel geholt. Mir war davor gar nicht bewusst, wie sehr ich von der Arbeit getrieben war. Wir kennen uns seit dreißig Jahren – lange genug, dass ein Blick manchmal reicht. Es gab die letzten Tage nicht nur einen Moment, in dem genau das genügte: ein Blick, der sagte, Christian, komm mal runter. Mach ne Pause. Mach nen Mittagsschlaf oder geh laufen. Aber komm mal runter.

Zum anderen aber ist ihre Hilfe bei der Arbeit am Boot großartig. Da sind die Dinge, die sie einfach macht, wie beispielsweise die Tasche der Life-Sling mit Zange und Segelnähzeug zu reparieren. Dinge, die von der To-do-Liste verschwinden, ohne dass ich selbst etwas getan habe. Und dann sind da Dinge, die alleine praktisch unmöglich sind, wie die Reffleinen für das Großsegel neu in den Baum einzuziehen oder die neue Reling zu montieren.

Wir sind zum Glück nicht nur am Arbeiten. Wir sind auch mal am Schlendern durch die Altstadt Schleswigs (sieht aus, wie man es von Orten auf dem dänischen Inselmeer kennt) und essen die – Zitat Kathrin – besten Fischbrötchen im Hafen Schleswigs. An einem Abend essen wir mit Michael und seiner Frau Dörte zu Abend in der Tonne 98. Labskaus mit Rollmops.

Es sind gute Tage für mich. Und ich glaube, Kathrin kann die Zeit hier oben in Angeln genießen, auch wenn wir uns erst morgen auf den Weg zum Segeln machen. Bis nach Kiel, nach Brunsbüttel zu zweit. Danach bin ich erstmal wieder alleine.

Koraki vor Anker.
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